Not very british! Was gilt in Großbritannien als besonders unhöflich?

6 Dinge, die in Großbritannien als unhöflich gelten


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Denkt man an das klischeehafte Bild eines Briten, so hat man schnell einen Menschen mit sehr gutem Benehmen, vornehmer Aussprache und einer Tasse Tee in der Hand vor Augen. Doch entspricht diese Vorstellung auch wirklich der Realität? Legen die Bewohner Großbritanniens wirklich so viel Wert auf einen höflichen Umgang und die Wahrung der Etikette? Und was gilt auf der Insel eigentlich als besonders unhöflich und sollte darum während Ihrer Sprachreise vermieden werden?


Die Briten und die Höflichkeit

Jeder, der einen Aufenthalt in Groß Britannien genießt (ob nun als Sprachreisender, klassischer Tourist oder aus geschäftlichen Gründen), wird schon nach sehr kurzer feststellen, dass die Bewohner dieses Landes ausgesprochen höflich sind.

Wenn Sie beispielsweise in London unterwegs sind und im Gedrängel der Großstadt eine andere Person anrempeln, ist es absolut normal, dass sich diese ausschweifend bei Ihnen entschuldigt – fast schon so, als hätte man Sie versehentlich vor das nächste Taxi gestoßen.

Auch in vielen anderen (Alltags-)Situationen wird immer wieder deutlich: Die Briten legen großen Wert auf Etikette und Anstand – sowohl in den großen Städten als auch in ländlicheren Gegenden.

Dabei gehen sie teilweise so sorgfältig und fast schon militant vor, dass die Höflichkeit auf Außenstehende schnell gestellt und unaufrichtig wirkt. Sie können sich allerdings sicher sein: In Groß Britannien meinen es die Menschen genau so, wie sie es sagen. Es wurde ihnen schlichtweg von klein auf beigebracht, ausgesprochen höflich zu sein.


6 Dinge, die in Groß Britannien als unhöflich gelten

Die Briten haben die Höflichkeit im Laufe ihrer kulturellen Geschichte nahezu perfektioniert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Liste der Verhaltensweisen, die als unhöflich gelten, entsprechend lang ist.

Alle Fauxpas, die Ihnen auf der Insel passieren können, in einem Beitrag zu sammeln, ist schlichtweg unmöglich. Daher möchten wir uns an dieser Stelle auf die größten Fettnäpfchen fokussieren, denen Sie auf jeden Fall aus dem Weg gehen sollten.


1. Kein „Please“ am Ende von Fragen und Bitten

Wenn der Brite ein Lieblingswort hat, dann ist es zweifelsfrei „Please“. Egal ob Sie nach dem Weg fragen, ein Bier im Pub ordern wollen oder darauf aufmerksam machen möchte, dass Ihr Gegenüber im Weg steht – vergessen Sie bloß nicht das „Please“ am Ende Ihres Satzes!

Gleiches gilt übrigens auch für ein wohlwollendes „Thank you!“, wenn Sie Ihre Auskunft, das Kaltgetränk oder den freien Weg bekommen haben.


2. Vordrängeln und Ungeduld in Warteschlangen

Die britische Bevölkerung gilt als sehr genügsam und hat demzufolge auch kein Problem damit, hin und wieder zu warten (bevorzugt formiert in einer Schlange).

Wenn Sie als Sprachreisender mit weniger Zurückhaltung gesegnet sind, heißt es trotzdem: Zähne zusammenbeißen und hinten anstellen. Denn kaum etwas ist weniger „british“ als sich vorzudrängeln oder seinem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Genervtes Schnauben, Schnipsen, Pfeifen und ähnliche Verhaltensweisen gelten als extrem unhöflich und werden garantiert dafür sorgen, dass Sie negativ auffallen. Nutzen Sie doch also Ihre Sprachreise auch, um ein wenig an Ihrer Geduld zu arbeiten.


3. Links auf Rolltreppen stehen

Bleiben wir noch kurz beim Thema Warteschlange: Obwohl in Groß Britannien allgemein Linksverkehr herrscht, sollten Sie sich auf Rolltreppen tendenziell eher rechts einordnen – es sei denn, Sie haben es eilig.

Gerade auf dem Weg zur Underground kann immer wieder ein spannendes Phänomen beobachtet werden: Während die rechts stehenden Leute gemütlich in die Tiefe gleiten, ist die linke „Spur“ denen vorbehalten, die beispielsweise unbedingt die nächste Bahn erwischen müssen. Stört jemand dieses fragile Ökosystem, muss er unter Umständen auch mal mit weniger netten Zurechtweisungen rechnen.

Da bekommt der Britpunk-Klassiker „Should I stay or should I go?“ von The Chash doch gleich einen ganz andere Bedeutung.


4. Zu viel Körperkontakt

Während in anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien gern auch mal ein (oder mehrere) Küsschen verteilt wird, legen die Briten bei der Begrüßung sehr viel Wert auf Zurückhaltung und höfliche Distanz. Hier reicht ein kurzer „handshake“, der weder zu fest, noch zu locker sein sollte.

Alles andere – beispielsweise auch Umarmungen – wird in der Regel als aufdringlich und eventuell sogar intim verstanden. Wenn Sie nicht gerade einen (sehr) guten Freund begrüßen, sollten Sie besser weitestgehend auf Körperkontakt verzichten.


5. Tiefgreifender Smalltalk

Auch beim unverfänglichen Plausch mögen es die Briten lieber zurückhaltend und oberflächlich. Wenn Sie zum Einstieg in das Gespräch beispielsweise gefragt werden „How do you do?“, erwartet niemand eine ausufernde und gnadenlos ehrliche Antwort. Ein „Fine, thank you!“ reicht in der Regel aus und gilt allgemein als höflich.

Ähnlich unverfänglich darf es auch im weiteren Smalltalk-Verlauf zugehen. Vermeiden Sie polarisierende Themen wie Politik und Religion. Auch Kritik am Königshaus und der englischen Nationalmannschaft sind strikte Tabus. Ein Gesprächsthema, mit dem Sie in Groß Britannien jedoch nie etwas falsch machen, ist tatsächlich das Wetter.


6. Alle Briten pauschal als „Englishmen“ bezeichnen

Es verhält sich ein bisschen wie mit den Deutschen, die hin und wieder kollektiv als Bayern bezeichnet werden: Wer einen Briten pauschal als „Englishman“ betitelt, muss unter Umständen mit wenig Begeisterung rechnen.

Es ist schlichtweg unhöflich, alle in die „gleiche Schublade“ zu stecken, denn Schotten, Waliser und Nordiren sind allesamt sehr stolz auf ihre Herkunft. Um jeglichen Konflikt zu vermeiden, sollten Sie einfach von spezifischen Bezeichnungen absehen und im Zweifelsfall (höflich!) nachfragen.

Achten Sie außerdem darauf, nicht von „England“ zu sprechen, wenn Sie eigentlich „Great Britain“ meinen.


Die Höflichkeit in der englischen Sprache

Höflichkeit manifestiert sich in Groß Britannien nicht nur durch Gesten und fast schon rituelle Verhaltensformen, sondern auch und insbesondere in der Sprache.

Nicht nur die oben bereits angesprochenen Wörter „Please“ und „Thank you“ gelten als obligatorisch, auch im Hinblick auf allgemeine Formulierungen fällt schnell wieder einmal auf: Die Briten mögen es zurückhaltend-höflich.

Hier finden Sie ein paar Beispiele für typisch britische Formulierungen:

May I have…
- Could you do me a favor?
- Would you be so kind to…
- Excuse me, could you please…
- Nice to meet you.

Sicherlich werden Sie im Laufe Ihrer Sprachreise noch weitere Beispiele kennenlernen, die die britische Höflichkeit in der Sprache widerspiegeln. Wenn Sie Ihre Englischkenntnisse vorab noch einmal testen möchte, können Sie in unserem kostenlosen Englischtest (ca. 2 Minuten Dauer) schnell einmal prüfen, wie gut Ihre Kenntnisse noch sind.

Quelle: | 05.04.2019